Schulisches Bildungsziel ist nicht die Rekrutierung künftigen Fachpersonals: Leitbild für den Chemieunterricht sind nicht künftige Chemiker, für den Musikunterricht nicht künftige Musiker und für den Religionsunterricht nicht zukünftige Theologen. Erst einmal geht es um die Erlangung von Fachexpertise, um später einmal mit Experten kommunizieren zu können, ohne selbst ein Experte sein zu müssen. Bildung will in die Lage versetzen, sich ein eigenes Urteil bilden zu können und hierfür heranzuziehende Einflussfaktoren gewichten zu können. Es geht darum, erworbenes Fachwissen in Relation zu anderen Wissenskontexten setzen zu können. Berufliche Qualifikationen verschränken sich mit sozialen Kompetenzen und kulturellen Praxen. Hierfür bracht es alltagstaugliche Lehrerpersönlichkeiten, die zwar mit viel Fach-wissen, aber auch Humor, Einfühlungsvermögen und Erklärungsgeschick einen solchen Unterricht mit Langzeitwirkung geben können. Werden Akademiker in ihrem Berufsleben mit ersten Führungsaufgaben konfrontiert, merken sie sehr schnell, dass sie mehr als nur exzellentes Fachwissen benötigen. Wollen sie Erfolg haben, müssen sie an ihrer Führungs- und Sozialkompetenz arbeiten. Gefragt sind keine stromlinien-förmigen Karrieristen, sondern eher Querdenker (auch mit Ecken und Kanten). Gut dran sind dann die, die im Rahmen ihrer Bildung bereits Lebensführungskompetenz erworben haben und ein Leben vorweisen anstatt nur einen Lebenslauf. In einer mehr und enger verflochtenen Weltwirtschaft werden kreative Köpfe gesucht: gebraucht werden Transnationalität, Interdisziplinarität und Praxisbezug.