Fiktiver Klassentreffen-Marktstubendialog
Ein Buch ist immer ein sich wandelndes Objekt: von Steintafeln und Schriftrollen bis hin zum gedruckten, industriell gefertigten Buch und E-Book. In jeder Epoche des Buches kamen zu seiner grundsätzlichen Leistung (Aufzeichnung, Bewahrung und Weitergabe von Wissen und Erfahrung) noch weitere, besondere Aspekte hinzu: religiöse, gesellschaftliche, politische, propagandistische, aufklärerische, revolutionäre. Kann ein einfacher Verweis auf solche glorreiche Vergangenheit ausreichen? Grundlegende gesellschaftliche, kulturelle und technologische Veränderungen machen es dem Buch (einschließlich Autoren, Übersetzer, Buchhandel, Bibliotheken, Verlage) schwer, zu überstehen. Viele einst mächtige Kulturformen sind vergangen. Auch das Buch ist entstanden und kann vergehen. Doch dem steht eine hyperkomplexe Realität entgegen, der nur das Buch zu entsprechen vermag. Das schafft kein Tweet: „denn alle diese Schrumpfformen sind unfähig, unserer Gegenwart adäquat Rechnung zu tragen. Dabei ist der Umfang eines Buches kein Selbstzweck, sondern ein unentbehrliches Potential-:
„Ein Buch ermöglicht die eingehende Auseinandersetzung.“
„?
„Na ja, es erlaubt, den Dingen auf den Grund zu gehen.“
„Eine notwendige Bedingung, wenn es um Komplexes und Kompliziertes geht.“
„Und?“
„Es gestattet, Zusammenhänge herzustellen.“
„Das heißt, in Ruhe und mit Zeit?“
„Genau, und im besten Fall ermöglicht es, aus Informationen Wissen –und Bewusstsein- werden zu lassen.“
„Ein Prozess, den wir dringend benötigen.“
„Warum das denn?“
„Weil Lesen in der explodierenden Bilderflut zum „Überfliegen“ verkommt“.
„Beim Lesen verschmilzt als der Text des Buches mit der eigenen Erfahrungswelt?“
„Ja, ganz eigene Bilder entstehen in permanenter Produktion durch das Gelesene, in Interaktion mit dem Gelesenen: ein fruchtbarer Prozess“.
„Also sind Funktionen eines Buches und der Schule sind dynamisch vernetzt.“
„Wenn du es sagst.“
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