Die Muße kennt viele Gestaltungsformen: Muße ist das Losgelöstsein und Freisein von den Geschäften des Alltags. Unfähig, Muße zu ertragen, läuft man Gefahr, im Termindruck zu ersticken, zum Knecht einer ruhelosen, brutalen Agenda (die keine weißen Flecken mehr duldet) zu werden. Eine Muße des bloßen Daseins kann wirkliches Freisein bedeuten: Möglichkeiten schaffen, statt Erfolge lieber Feste zu feiern oder einfach nur nutzenfrei unter Mitmenschen zu weilen. Muße ist: einfach einmal (jedem Zeitdruck entsagend) seinen Gedanken und Gefühlen nachzugehen und freien Lauf zu lassen, das Geschehen um sich herum zu beobachten, über Gott und die Welt und nicht zuletzt über sich selbst zu reflektieren. Muße hat auch etwas von gelebter Kritik an der ruhelosen Geschäftigkeit der Arbeits- und Berufswelt. Muße kann als Zeit für das Zeitlose die Zeit einspielen, die es braucht, „dass im Gehirn die Gedanken so lange frei flottieren, bis sie sich zu etwas Vernünftigem bündeln“. Aber auch solches Nichtstun kann (mitunter harte) Arbeit sein: sich quasi per Fastenzeit von Terminen, von Geschäften und kreisenden Gedanken freizumachen und zu lösen. Der Lohn: der Kopf wird frei. „Wer sich die Zeit zur erfüllten Langeweile, zur Muße nimmt, pflegt eine hohe Lebenskunst“.